§ 8 TierSchG,
Paragraph Tierschutzgesetz

(1) Wer Versuche an Wirbeltieren oder Kopffüßern durchführen will, bedarf der Genehmigung des Versuchsvorhabens durch die zuständige Behörde. Die Genehmigung eines Versuchsvorhabens ist zu erteilen, wenn

1.
wissenschaftlich begründet dargelegt ist, dass
a)
die Voraussetzungen des § 7a Absatz 1 und 2 Nummer 1 bis 3 vorliegen,
b)
das angestrebte Ergebnis trotz Ausschöpfens der zugänglichen Informationsmöglichkeiten nicht hinreichend bekannt ist oder die Überprüfung eines hinreichend bekannten Ergebnisses durch einen Doppel- oder Wiederholungsversuch unerlässlich ist,
2.
der verantwortliche Leiter des Versuchsvorhabens und sein Stellvertreter die erforderliche fachliche Eignung insbesondere hinsichtlich der Überwachung der Tierversuche haben und keine Tatsachen vorliegen, aus denen sich Bedenken gegen ihre Zuverlässigkeit ergeben,
3.
die erforderlichen Räumlichkeiten, Anlagen und anderen sachlichen Mittel den Anforderungen entsprechen, die in einer auf Grund des § 9 Absatz 4 Satz 1 Nummer 1 erlassenen Rechtsverordnung festgelegt sind,
4.
die personellen und organisatorischen Voraussetzungen für die Durchführung der Tierversuche einschließlich der Tätigkeit des Tierschutzbeauftragten gegeben sind,
5.
die Haltung der Tiere den Anforderungen des § 2 und den in einer auf Grund des § 2a Absatz 1 Nummer 1 bis 4, auch in Verbindung mit § 11 Absatz 3, oder des § 2a Absatz 2 Satz 1 erlassenen Rechtsverordnung festgelegten Anforderungen entspricht und ihre medizinische Versorgung sichergestellt ist,
6.
die Einhaltung der Vorschriften des § 7 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 und des § 7a Absatz 2 Nummer 4 und 5 erwartet werden kann,
7.
die Einhaltung von
a)
Sachkundeanforderungen,
b)
Vorschriften zur Schmerzlinderung und Betäubung von Tieren,
c)
Vorschriften zur erneuten Verwendung von Tieren,
d)
Verwendungsverboten und -beschränkungen,
e)
Vorschriften zur Vermeidung von Schmerzen, Leiden und Schäden nach Erreichen des Zwecks des Tierversuches,
f)
Vorschriften zur Verhinderung des Todes eines Tieres unter der Versuchseinwirkung oder zur Vermeidung von Schmerzen und Leiden beim Tod eines Tieres und
g)
Vorschriften zu der Vorgehensweise nach Abschluss des Tierversuchs,
die in einer auf Grund des § 2a Absatz 1 Nummer 5 oder des § 4b Satz 1 Nummer 1 Buchstabe b, jeweils auch in Verbindung mit § 11 Absatz 3, oder des § 9 Absatz 1 bis 3 und 4 Satz 1 Nummer 2 oder 3 oder Satz 2 erlassenen Rechtsverordnung festgelegt sind, erwartet werden kann und
8.
das Führen von Aufzeichnungen nach § 9 Absatz 5 Satz 1 in Verbindung mit den in einer auf Grund des § 9 Absatz 5 Satz 2 erlassenen Rechtsverordnung festgelegten Anforderungen erwartet werden kann.


(2) Wird die Genehmigung einer Hochschule oder anderen Einrichtung erteilt, so müssen die Personen, die die Tierversuche durchführen, bei der Einrichtung beschäftigt oder mit Zustimmung des verantwortlichen Leiters zur Benutzung der Einrichtung befugt sein.


(3) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Vorschriften zu erlassen über

1.
die Form und den Inhalt des Antrags auf Erteilung einer Genehmigung nach Absatz 1 Satz 1 sowie die antragsberechtigten Personen,
2.
das Genehmigungsverfahren einschließlich dessen Dauer,
3.
den Inhalt des Genehmigungsbescheids,
4.
das Verfahren im Falle nachträglicher Änderungen der der Genehmigung zugrunde liegenden wesentlichen Sachverhalte, einschließlich der Pflicht zur Anzeige oder Genehmigung solcher Änderungen,
5.
die Befristung von Genehmigungen oder die Verlängerung der Geltungsdauer von Genehmigungen und
6.
den Vorbehalt des Widerrufs von Genehmigungen.


(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzusehen, dass Tierversuche einer Einstufung hinsichtlich ihres Schweregrads nach Artikel 15 Absatz 1 der Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere (ABl. L 276 vom 20.10.2010, S. 33) unterzogen werden, und dabei das Verfahren und den Inhalt der Einstufung sowie die diesbezüglichen Mitwirkungspflichten des Antragstellers zu regeln, soweit dies zur Durchführung von Rechtsakten der Europäischen Union erforderlich ist.


(5) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzusehen, dass Versuchsvorhaben einer rückblickenden Bewertung durch die zuständige Behörde unterzogen werden, und dabei das Verfahren und den Inhalt der Bewertung sowie die diesbezüglichen Mitwirkungspflichten des Antragstellers zu regeln, soweit dies zur Verbesserung des Schutzes der Tiere in Tierversuchen und zur Durchführung von Rechtsakten der Europäischen Union erforderlich ist.


(6) Das Bundesministerium wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzusehen, dass die zuständigen Behörden Zusammenfassungen zu genehmigten Versuchsvorhaben zum Zwecke der Veröffentlichung übermitteln, die Angaben über

1.
die Ziele des Versuchsvorhabens einschließlich des zu erwartenden Nutzens,
2.
die Anzahl, die Art und die zu erwartenden Schmerzen, Leiden und Schäden der zu verwendenden Tiere und
3.
die Erfüllung der Anforderungen des § 7 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 und des § 7a Absatz 2 Nummer 2, 4 und 5
enthalten, und die Form der Zusammenfassungen sowie das Verfahren ihrer Veröffentlichung zu regeln, soweit dies zur Verbesserung des Schutzes der Tiere in Tierversuchen und zur Durchführung von Rechtsakten der Europäischen Union erforderlich ist. Es kann dabei vorsehen, dass die Veröffentlichung der Zusammenfassungen durch das Bundesinstitut für Risikobewertung erfolgt.


Benachbarte Paragraphen


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PDF Dokumente zum Paragraphen

Merkblatt Genehmigung § 11 Tierschutzgesetz - Kreis Recklinghausen

https://www.kreis-re.de/Inhalte/Buergerservice/Umwelt_und_Tiere/Veterinaerwesen...
das gewerbsmäßige Ausbilden der Hunde durch den Tierhalter anleitet (§11 Abs. 1 Nr. 8 TierSchG) erlaubnispflichtig. Auch Tierversuchshaltungen/-einrichtungen oder die Zucht von Tieren für Tierversuche sind erlaubnispflichtig, bitte sprechen Sie uns diesb

Erlaubnispflicht für gewerbsmäßige Hundeausbildung nach ... - DVG

https://www.dvg-hundesport.de/file/8a8181bf1dfce6f4011dfd0a3f34005f.de.0/info_t...
Hemer, 20. Mai 2014. VDH Information vom 19. Mai 2014. „Erlaubnispflicht für gewerbsmäßige Hundeausbildung nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 f. Tierschutzgesetz“. Sehr geehrte Damen und Herren Vorsitzende der DVG Mitgliedsvereine, wie Ihnen ja bereits im Rundschrei

Antrag auf Genehmigung eines Versuchsvorhabens (§ 8 Abs. 1 ...

https://www.bus.formularservice.niedersachsen.de/cpa/cfs/eject/pdf/8.pdf?FORMUI...
8 Abs. 1 Tierschutzgesetz [TierSchG] in der aktuellen Fassung). Bezeichnung des Versuchsvorhabens. 1. (einschließlich der internen Kurzbezeichnung). Angaben zum Versuchsvorhaben. Handelt es sich um einen Finalversuch i.S.d. § 8 Abs. 5a? Ja. Die Unterzeic

Fragen und Antworten zur Erteilung einer Erlaubnis ... - Offenbach

https://www.offenbach.de/vv/oe/verwaltung/185010100000006361.php.media/6586/Fra...
Die gewerbsmäßige Zucht/Haltung von Wirbeltieren- außer landwirtschaftliche Nutztiere und. Gehegewild (§11 Abs. 1 Nr.8a TierSchG). • Halten und Züchten von Wirbeltieren oder Kopffüßer zu Versuchszwecken. (§ 11 Abs.1 Nr. 1a TierSchG). • Der gewerbsmäßige

Antrag Erlaubnis § 11 Tierschutzgesetz - Kreis Plön

https://www.kreis-ploen.de/media/custom/2158_1413_1.PDF?1467359403
11 Abs. 1 Nr. 7 TierSchG). → Hierfür bitte das gesonderte Antragsformular FB-05-061-PLÖ „Antrag § 11 Erlaubnis. Tierbörse“ anfordern! gewerbsmäßig Wirbeltiere, außer landwirtschaftliche Nutztiere und Gehegewild, zu züchten oder zu halten (§ 11 Abs. 1 Nr.


Webseiten zum Paragraphen

§ 11 TierSchG Tierschutzgesetz - Buzer.de

http://www.buzer.de/gesetz/5698/a78189.htm
2Für das Zurschaustellen von Tieren an wechselnden Orten darf die Erlaubnis nach Satz 1 Nummer 4 oder nach Satz 1 Nummer 8 Buchstabe d nur insoweit erteilt werden, als die Tiere nicht einer Art angehören, deren Zurschaustellen an wechselnden Orten auf Gr

Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des ...

http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_09022000_3213522000...
6.1.3 Als ein Versuchsvorhaben im Sinne des § 8 Abs. 1 ist ein in sich geschlossener tierexperimenteller Ansatz zur Beantwortung bestimmter Fragen im ..... Für alle anderen Maßnahmen nach dem Tierschutzgesetz einschließlich der Rücknahme oder des Widerru

Hundetrainer Fachgespräch § 11 I S.1 Nr.8f TierSchG- Tipps & Risiken

https://www.tierrecht-anwalt.de/fachgespraech-hundetrainer-11-tierschg/hundetra...
Fachgespräch § 11 I S.1 Nr.8f TierSchG - Fachgespräch für Hundetrainer Tipps & Risiken Fachgespräch §11 TierSchG für Hundetrainer: Tipps und Risiken des Fachgesprächs § 11 I S. 1 Nr. 8 f TierSchG. Ablauf des Fachgesprächs, Inhalt des Fachgesprächs, exter

Vorbereitung auf §11 TierSchG Absatz 1, Satz 1, Nummer 8 Buchstabe f

http://www.teamtraining-mensch-und-hund.de/events/vorbereitung-auf-%C2%A711-tie...
Seit 1. August 2014 besteht eine Erlaubnispflicht für Hundetrainer nach § 11 des TierSchutzGesetzes. Wir bereiten Euch ein ganzes Wochende auf diese Prüfung vor. Die Prüfung selber legt Ihr dann bei dem für Euch zuständigen (Veterinär-)Amt ab; den Termin

§ 11, Abs. 1, Nr.8 f Tierschutzgesetz - VSD Fuhlsbüttel e.V. ...

https://www.vsd-fuhlsbuettel.de/11-abs-1-nr-8-f-tierschg/
Wir als Verein benötigen diese Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz (noch) nicht. Dem Verein und seinen Mitgliedern und Trainern ist aber sehr daran gelegen, eine Ausbildung von Hund-Mensch-Teams anzubieten, die dem aktuellen wissenschaftlichen Stand der


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  • Verortung im TierSchG

    TierSchGFünfter Abschnitt Tierversuche › § 8

  • Zitatangaben (TierSchG)

    Periodikum: BGBl I
    Zitatstelle: 1972, 1277
    Ausfertigung: 1972-07-24
    Stand: Neugefasst durch Bek. v. 18.5.2006 I 1206, 1313;

  • Hinweise zum Zitieren

    Als Referenz auf das TierSchG in einer wissenschaftlichen Arbeit

    § 8 TierSchG
    § 8 Abs. 1 TierSchG oder § 8 Abs. I TierSchG
    § 8 Abs. 2 TierSchG oder § 8 Abs. II TierSchG
    § 8 Abs. 3 TierSchG oder § 8 Abs. III TierSchG
    § 8 Abs. 4 TierSchG oder § 8 Abs. IV TierSchG
    § 8 Abs. 5 TierSchG oder § 8 Abs. V TierSchG
    § 8 Abs. 6 TierSchG oder § 8 Abs. VI TierSchG

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